KAHN im FOKUS

Immaterielles Kulturerbe Spreewaldkahn - Bau und Nutzung

Maßnahme

Gemeinsam mit engagierten Kahnakteur*innen hat der Spreewaldverein e.V. Bau und Nutzung des Spreewaldkahns als immaterielles Kulturerbe von der Deutschen UNESCO-Kommission erfolgreich anerkennen lassen. All dies mit der Absicht, die wahrgenommene Bedeutung und Wertschätzung des Spreewaldkahns auch offiziell bestätigen und honorieren zu lassen sowie letztlich auch Zugriff auf neue Unterstützungsmöglichkeiten beim Erhalt und der Weiterentwicklung der Kulturform zu erlangen.

Im Fokus der Anerkennung steht dabei der Spreewaldkahn im Wandel der Zeit – als immaterielles Kulturerbe sind sowohl Holz- als auch Aluminiumkähne anerkannt. Der Spreewaldverein hat mit der Idee „Immaterielles Kulturerbe Spreewaldkahn“, eine regional verankerte Gefühlswelt aufgegriffen! Vermeintlich Verborgenes wird wieder sichtbar – Wissen, Erfahrungswerte und Lebensweisen mit dem Kahn werden zusammengetragen und gemeinsam reflektiert. Ein Anfang ist nun gemacht, doch kulturelles Erbe muss aktiv gelebt und gemeinsam weiterentwickelt werden. Das Bewährte erhalten – den Wandel der Kulturform mitgestalten.

Alle Blickwinkel und Herausforderungen zum Spreewaldkahn sind dabei einzubeziehen. Gemeinsam macht man sich nun auf den Weg die Anerkennung mit Leben zu füllen.

Ort: Wirtschaftsraum Spreewald

Zeitraum der Antrags-/Bewerbungs- und Anerkennungsphase: 2020 bis 2023

Spreewaldverein e.V.: Antragsteller bzw. Trägergruppe im Rahmen der Regionalentwicklung

Zielgruppe

Engagierte und interessierte Akteur*innen, die mit uns den Status „Immaterielles Kulturerbe“ Spreewaldkahn mit Leben füllen wollen

Ausgangssituation

Der Spreewaldkahn, sorbisch cołn, gehört in die Kulturlandschaft des Spreewalds und ist ein historisches Transportmittel, das perfekt an die Gegebenheiten der unzähligen Spreewaldfließe angepasst ist. Nicht zu breit und mit geringem Tiefgang. Er stellte für die Bevölkerung im Spreewald eine Selbstverständlichkeit dar und wurde in allen Lebenslagen genutzt: zur Tauffahrt, als Schulkahn, für den Transport von Gütern, zur Hochzeit aber auch als Trauerkahn. Der Kahn lebt durch und mit den Menschen, wie auch das Gedicht „Der Kahn“ von Ewald Müller bildlich beschreibt:

„…Der Kahn war seiner Kinder Wiege, ihr Tummelplatz, ihr Aufenthalt. Er führte sie zu Kirch und Schule, er nahm zum Grab sie bleich und kalt…“

Noch heute wird auf den Spreewaldfließen „Koahn gefoahrn“, auch wenn sich durch den Straßenbau die Angewiesenheit auf den Kahn verändert hat. Der Kahn steht daher im Spiegel der Geschichte vom reinen Nutzfahrzeug in der Kulturlandschaft des Spreewalds hin zum Erlebnis einer naturnahen Erholung für viele Besucher*innen. Auch für unterschiedlichste Nutzergruppen, von Fischer*innen, Jäger*innen, Landwirtschaftsbetrieben über die Feuerwehr oder die Naturwacht im UNESCO Biosphärenreservat Spreewald, ist der Kahn als Nutzfahrzeug in der Gegenwart vertreten. Der Spreewaldkahn wird dabei im Heck stehend mit einem etwa 4 m langen Rudel gestakt. Oftmals wurde das Kahnfahren von Kindesbeinen an gelernt. Mittlerweile werden jedoch auch Kurse angeboten, bei denen Interessierte den Umgang mit dem Rudel lernen können. Der Spreewaldkahn ist lebendig und vielfältig und schafft den Wandel! Er erfährt wieder verstärkt eine neue Wertschätzung, vor allem auch bei jüngeren Generationen. Die Nutzung floriert, auch wenn es zum Teil eine völlig andere ist als ursprünglich.

Der Bau von Holzkähnen ist mit sehr spezifischem Wissen verbunden, über das nur eine kleine Gruppe von Handwerksbetrieben oder Privatpersonen verfügen. Es gibt nur noch wenige Tischlereibetriebe, die gewerblich Holzkähne herstellen. Zudem fertigen einige Metallbaubetriebe Spreewaldkähne aus Aluminium an. Aufgrund der hohen Altersstruktur und der geringen Zahl nachrückender Fachkräfte ist die Zahl der Betriebe rückläufig. Neben diesen gewerblichen Aktivitäten gibt es eine kleine Gruppe von Privatpersonen, die sich eigene Spreewaldkähne aus Holz bauen.

Umsetzung und Effekte

Der Spreewaldverein e.V. möchte die Bedarfe der Macher*innen aufnehmen, bündeln und bei Projekten und aktuellen Entwicklungen zur Seite stehen. In regelmäßigen Abständen gibt es offene Treffen mit den Kahnakteur*innen. Hier werden gemeinsam Pläne geschmiedet, Erfahrungswerte ausgetauscht und Herausforderungen diskutiert. Die Zahl der Engagierten, Macher*innen und Unterstützer*innen wächst stetig. Bringt auch Ihr Euch ein! Das letzte Treffen der Kahnakteur*innen fand am 12. September 2023 statt. Ergebnisse findet man im Download-Bereich. Am 5. März 2024 wird es ein weiteres Treffen im Dorfgemeinschaftshaus Lehde geben. Details dazu gibt es hier

Um die Zukunftsfähigkeit zu sichern und den Wandel im Bau und in der Nutzung gemeinsam zu gestalten, braucht es jetzt Anreize. Diese können nicht allein aus einer Region oder von einzelnen Personen kommen. Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch, vor allem zum Thema Bauen sind das eine und unersetzlich. Um auch dem Holzkahn eine Perspektive zu geben, braucht es entsprechende Ressourcen bzw. Rohstoffe. Die äußeren Rahmenbedingungen müssen stimmen: eine Wertschöpfungskette Holz, bestenfalls regional, ist notwendig. Handwerker*innen und die entsprechenden Berufsvertretungen werden gebraucht, um die Praxis des Kahnbauens modern, lebendig und interessant zu halten – es als regional verankertes und motivierendes Geschäftsmodell zu sehen. Größte Herausforderung wird insgesamt jedoch ein drohender Wassermangel sein – ohne Rohstoffe, ohne Handwerker und vor allem ohne Wasser – kein Spreewaldkahn? Deswegen ist der Status als immaterielles Kulturerbe auch eine echte Herausforderung! Wie geht man damit um im (Klima-)Wandel der Zeit? Was machen die Menschen in der Region aus diesem Status?

Treffen der Kahnakteur*innen 2023: Zum ersten Auftakttreffen nach der offiziellen Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe kamen rund 60 Kahnakteur*innen zusammen. Erarbeitete Arbeitspakete und Inhalte des Treffens sind im Downloadbereich einsehbar. Darauf wird nun weiter aufgebaut! 

Treffen der Kahnakteur*innen 2021 bis 2022: Neben der Einzelgespräche hat sich der Spreewaldverein e.V. auch regelmäßig in größeren Runden mit den Kahnakteur*innen ausgetauscht, um die Bewerbung zum Immateriellen Kulturerbe gemeinschaftlich abzustimmen. Hierbei haben wir Kahnbauer*innen, Kahnfährleute, Rudelbauer*innen, Vertreter*innen der Sorben/Wenden, Kulturschaffende, einzelne Engagierte etc. an einen Tisch geholt; uns vor Ort bei Kahnakteur*innen getroffen. Dabei entstanden viele neue vielversprechende Verbindungen.

Fotos: Peter Becker, Andreas Krufczik und Spreewaldverein e.V.

KAHN im FOKUS. Immaterielles Kulturerbe Spreewaldkahn