Russische Delegation im Spreewald

Erfahrungsaustausch im ländlichen Raum

Lübben, 18. April 2019. Im Rahmen des „Deutsch – Russischen Agrarpolitischen Dialogs“ – ein Projekt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) – besuchte eine russische Delegation am 3. und 4. April 2019 den Spreewald. Empfangen und mitorganisiert wurde dieser internationale Erfahrungs- und Wissensaustausch vom Spreewaldverein.

Themen waren vor allem gesetzliche Rahmenbedingungen und Instrumente zum erfolgreichen Wirtschaften auf dem Lande, Fördermöglichkeiten mit Landes- und EU-Mitteln, Digitalisierung im ländlichen Raum, Agrotourismus, Verbandsarbeit, Wertschöpfung und Markenschutz. Hierzu ist der Spreewaldverein als Träger des Regionalmanagements für die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums und Inhaber der Dachmarke Spreewälder als erster Ansprechpartner im Spreewald prädestiniert. Am Beispiel der Spreewaldregion lässt sich gut belegen, wie funktionierende Wertschöpfung unter einem starken regionalen Label Arbeitsplätze sichert, regionale Identität stärkt und die Lebensqualität erhöht werden kann. Geschäftsführer Axel Müller: „Es ist schön und bestärkt uns in unserer Arbeit, dass der Spreewaldverein schon bis Moskau bekannt ist. Wenn man sich die Supermärkte und Einkaufsstätten von Sankt Petersburg bis Kasan anschaut, wird dort sehr wohl Wert auf Qualitätsprodukte gelegt. Warum sollten wir nicht mit unseren Spreewälder Markenprodukten unseren Blick wieder nach Osten richten? Eine Chance kann es allemal sein, die Produktion, die Wertschöpfung und Arbeitsplätze hier im Spreewald zu sichern und vielleicht auszubauen.“

Die Delegationsteilnehmer kamen insbesondere aus politischen Agrarausschüssen, der Kommunalverwaltung, dem russischen Landjugendverband und der Projektleitung des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs. Die Gäste wurden am Mittwochnachmittag durch Axel Müller, Geschäftsführer des Spreewaldvereins, und Gerald Lehmann, Luckaus Bürgermeister und Vorstandsmitglied des Spreewaldvereins, empfangen. Gerald Lehmann stellte zunächst die Stadt Luckau aus unterschiedlichen Perspektiven vor und besuchte anschließend bei einem Stadtrundgang gemeinsam mit den Gästen markante Einrichtungen der Stadt mit dem historischen Stadtkern. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Hotel „Radduscher Hafen“ führte Peter Becker die Gäste mit seinem Bildvortrag fotografisch durch die Jahreszeiten im Spreewald.

Der Donnerstag begann mit einem Betriebsbesuch des Landwirtschaftsbetriebes Göritzer Agrar GmbH. Geschäftsführer Thomas Göbel stellte die Geschäftsfelder des Betriebes und das EU-gefördertes Projekt „Wärmeproduktion aus Landschaftspflegheu“ vor und erläuterte die Herausforderungen des Betriebes im Kontext zur Agrarpolitik des Landes und der EU sowie im geschäftlichen Wettbewerb. Im Anschluss erläuterte Andreas Traube vom Spreewaldverein die Rolle des Vereins bei der ländlichen Entwicklung der Region, unter welchen Prämissen Landes- und EU-Mittel für die Projektförderung eingesetzt werden und wie mittels Wertschöpfungspartnerschaften und einer starken regionalen Dachmarke als Gütesiegel für regionale Produkte die Wertschöpfung in Region gehalten und ausgebaut werden kann.

Nach dem Mittagessen in der Göritzer Bauernküche genossen die Gäste bei einer zweistündigen Kahnfahrt zwischen Lübbenau und Lehde das sonnige Wetter, die frühlingshafte Landschaft, und die die einzigartige Siedlungsstruktur im Spreewalddorf Lehde. Der Spreewaldbesuch endete mit Exkursionen zu den zwei Direktvermarktern „Kanow-Mühle“ in Sagritz und „Landwirtschaftlicher Zuchtbetrieb Herrmann Lühmann“ in Reichwalde, bevor die Reise der russischen Delegation zu den Landfrauen des Landkreises Oder-Spree weiterführte.

Info
Das Kooperationsprojekt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft „Deutsch-Russischer agrarpolitischer Dialog“ (APD) wird seit 1994 durchgeführt und hat sich zu einem wichtigen Bindeglied in der deutsch-russischen Zusammenarbeit im Agrarbereich entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Bereitstellung von Informationen und die Beratung zu aktuellen agrarpolitischen Themen und rechtlichen Fragen sowie die Unterstützung von Kooperationen mit Unternehmen durch beide Seiten. Mehr und mehr baut der APD seine Funktion auch als Bindeglied zwischen Vertretern von Politik, der Wirtschaft und den Verbänden beider Länder aus. Zur Unterstützung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland im Agrar- und Nahrungsmittelbereich werden in enger Zusammenarbeit von den Partnern Maßnahmen durchgeführt, die den bilateralen Dialog fördern. Dazu gehören Konferenzen, deutsch-russische Arbeitsgruppentreffen, Runde Tische, parlamentarische Anhörungen und Fachinformationsfahrten zu aktuellen agrarpolitischen Fragen und die Förderung von Verbandspartnerschaften.