Ein wogendes zartblaues Blütenmeer

Feldbesuch zur Leinblüte im Spreewald

Spreewald-Christl hatte keinen leichten Stand im wogenden Blütenmeer...

Drebkau, 30. Juni 2020. Auf ca. 140 Hektar Ackerfläche wächst in diesem Jahr im Spreewald Öllein. Das ist weniger als im Vorjahr, welches durch eine starke Trockenheit im Vegetationsverlauf des Leines gekennzeichnet war. Im Ergebnis dessen fiel die Ernte an Leinsamen deutlich niedriger als erwartet aus. Fünf Spreewälder Landwirte widmen sich in diesem Jahr dem anspruchsvollem Leinanbau. So verwandeln sich im Spreewald alljährlich im Frühsommer Felder in Meere aus zartblauen Blüten.

Heute trafen sich Anbauer und Verarbeiter des Ölleins mit Medienvertretern zum bereits traditionellen Medientermin während der Blütezeit an einem Leinfeld im Drebkauer Ortsteil Siewisch. Die Agrargenossenschaft Drebkau eG als Gastgeber baut in diesem Jahr auf dieser Fläche  gut 20 Hektar Öllein an. Den Großteil der Erntemenge an Leinsamen presst der Betrieb selbst zu Leinöl. Mit dem Rest der Erntemenge wird eine weitere regionale Ölmühle beliefert.

Die Corona-Pandemie trifft die Ölmühlen hart, die ihr Öl überwiegend über Direktvermarktung vom Hofladen aus, auf Wochen- und Eventmärkten, auf  Veranstaltungen oder über touristische Dienstleister verkaufen. Die stillstehende Gastronomie und der enorme Gästerückgang im Spreewald verschärften die Absatzeinbußen der Spreewälder Ölmühlen. Die leichten Steigerungsraten im Online-Handel haben die Absatzeinbrüche nicht wettmachen können. So hoffen die Ölmüller, genauso wie andere regionale Erzeuger auch, auf eine Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens im zweiten Halbjahr dieses Jahres.

Seit Hunderten von Jahren wird im Spreewald Lein angebaut und zu unterschiedlichen Produkten verarbeitet. Das wohl bekannteste unter ihnen ist frisch gepresstes Spreewälder Leinöl. Lein hat eine relativ kurze Vegetationszeit. In der Regel vergehen nur 120 bis 125 Tage zwischen Aussaat und Ernte. Erfahrene Landwirte sehen auf den ersten Blick, ob der Lein reif ist: die Blüten sind verschwunden; die Pflanze beginnt, sich braun und gelb zu verfärben. Schüttelt man die Leinkapsel, kann man darin die Samen leise rascheln hören. Mit modernen Messmethoden prüft der Landwirt den Feuchtigkeitsgehalt der Samen. Liegt dieser unter 9 Prozent, kann die Ernte beginnen. Sie erfolgt mit einem speziell eingerichteten Mähdrescher. Danach erfolgt die Reinigung der Körner. Nach der Reinigung werden die aufbereiteten Leinsamen zum Pressen an die Ölmühlen geliefert.

Spreewälder Leinöl ist keine Massenware, denn der Ertrag liegt lediglich bei etwa einer Tonne pro Hektar. In jeder Flasche befindet sich also ein kleiner Schatz aus dem Spreewald. Aus diesem Grund bezeichnen die Spreewälder ihr Leinöl auch als “blaues Gold“.

Das Spreewälder Leinöl wird traditionell in zwei unterschiedlichen Verfahren gewonnen: Entweder mit einer Schneckenpresse oder mit einer Stempelpresse. In beiden Fällen werden die Samen nach vorherigem Aufbrechen unter hohem Druck zusammengepresst. Durch diese schonende, rein mechanische Behandlung, bleiben die wichtigen Inhaltsstoffe, vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, erhalten. Weitere Informationen finden Sie hier