Es ist Gurkenwetter!

Erntestart bei Spreewälder Gurken

Reichwalde, 25. Juni 2019. Die Ernte der berühmtesten Gurken der Welt ist angelaufen. Geschäftsführer von Spreewälder Gemüseanbau- und Verarbeitungsbetrieben und der Spreewaldverein gaben am Dienstag, den 25. Juni 2019, gemeinsam mit Medienvertretern den symbolischen Startschuss für die Ernte der Gurken. Auf dem Gurkenfeld bei Reichwalde – einem Ortsteil der Gemeinde Bersteland im Landkreis Dahme-Spreewald – diskutierten Experten, Medien und Gäste die Herausforderungen der diesjährigen Erntesaison. Der hiesige Gurkenschlag ist 32 Hektar groß. Darauf wird gegenwärtig mit mehreren Gurkenfliegern die Ernte der Einlegegurken bewältigt. Und der Gurkenschlag macht einen hervorragenden Eindruck. Das Blattwerk ist in den letzten Tagen üppig gewachsen, die Fruchtansätze haben sich vervielfacht. Punktgenaue Tröpfchenbewässerung zur Wasser- und Nährstoffversorgung sichert einen sparsamen Ressourceneinsatz. Für die Erntehelfer auf den Gurkenfliegern keine einfache Arbeit, die unter dem Grün versteckten Einleger zu ernten, schon gar nicht bei diesen extremen Tagestemperaturen.

Wertvolles Pflückgut

Heinz-Georg Embach vom Spreewaldhof Niewitz und Gastgeber der diesjährigen Pressekonferenz, erklärte, dass die Pflanzung der Gurken planmäßig ab Mitte April erfolgte. In diesem Zeitabschnitt zeigte sich das Wetter von seiner angenehmen Seite. Ende April bis Mitte Mai setzte dann eine kühle Witterungsperiode ein, in deren Verlauf an 2 bis 3 Tagen, je nach Feldlage, Nachtfröste bis zu minus 6 Grad am Erdboden zu verzeichnen waren. Das hatte zur Folge, dass punktuell Nachpflanzungen notwendig wurden, die sich kostensteigernd auswirkten. Bis Mitte Mai wiesen die Pflanzenbestände deutliche Verzögerungen in der Entwicklung auf. Der dann folgende Witterungsumschwung bewirkte eine zügige Entwicklung der Bestände. Heinz Georg Embach: „Die derzeitige Wetterlage ist Gurkenwetter. Die Pflanzen holen jetzt auf und machen ihre Wachstumsrückstände wett.“ Insgesamt begann die Ernte in diesem Jahr durchschnittlich eine Woche später als geplant.

Erzeugung und Verarbeitung von Spreewälder Gurken leisten beständig einen hohen Anteil bei der Sicherung von Beschäftigung und bei der regionalen Wertschöpfung. Insgesamt werden 2019 von den Spreewälder Anbaubetrieben Gurken auf einer Fläche von rund 500 Hektar angebaut, davon knapp 70 Hektar im Bioanbau, der ausschließlich von der Biohof Schöneiche GbR betrieben wird. In diesem Jahr kommen rund 2.700 Beschäftigte im Anbau und ca. 550 Beschäftigte in der Verarbeitung zum Einsatz.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger würdigte in seinem Grußwort vor Ort den Stellenwert des Anbaus und der Verarbeitung von Gurken für den Spreewald und unterstrich die hohe Bedeutung des EU-Schutzstatus für die Entwicklung der Branche in den vergangenen 20 Jahren. In diesem Jahr feiert das Spreewälder Imageprodukt sein 20-jähriges Jubiläum als „Geschützte Geografische Angabe“. Dabei handelt es sich um eine Registrierung durch die Europäische Kommission, die einerseits der Qualitätssicherung dient und andererseits Spreewälder Gurken vor Nachahmung außerhalb der Region schützt.

Gregor Knösels als Vorstandsmitglied des Spreewaldvereins und Geschäftsführer des eigenen landwirtschaftlichen Anbaubetriebes gab einen Überblick über die Entwicklungen und die sich stets verändernden Herausforderungen der letzten 20 Jahre aus Sicht der Anbaubetriebe. Zum einen stellen die Klimaveränderungen mit stärker werdenden Extremwetterlagen die Landwirte vor wachsenden Herausforderungen. Andererseits gefährden arbeitsmarktpolitische Rahmenbedingungen, wie der steigende Mindestlohn, die Rentabilität der Betriebe und führen zu höheren Produktionskosten je Hektar Anbaufläche. Es ändert sich zudem das Verbraucherverhalten. Kleine Gurken in Cornichon-Größe werden zunehmend nachgefragt. Mit der Zunahme der Single-Haushalte werden Gurken in kleineren Abpackungsgrößen bevorzugt.

Konrad Linkenheil aus der Geschäftsführung der Spreewaldkonserve Golßen verwies auf das mehrjährige und aufwändige Ringen um die Eintragung der Spreewälder Gurken als geschützte geografische Angabe und den dadurch erreichten Mehrwert für die Region. Ohne diesen EU-Herkunftsschutz hätten der Anbau und die Verarbeitung von Spreewälder Gurken nicht diese positive Entwicklung genommen. Dem Spreewaldverein dankte er für das langjährige, erfolgreiche und gemeinsame Engagement.

Die Spreewälder Gurken sind neben dem Spreewälder Meerrettich und seit Kurzem dem Beelitzer Spargel eines von nur drei Produkten mit geschützter Herkunftsangabe im Land Brandenburg. Die Entwicklung zeigt, dass Regionalität beim Verbraucher einen immer höheren Stellenwert einnimmt und heute schon das wichtigste sekundäre Kaufentscheidungsmerkmal beim Kunden ist. Diese Aussage war ein zentraler Bestandteil des Grußwortes von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Günter Schade von der Humboldt-Universität zu Berlin, welches von Dr. Dietmar Liedtke vorgetragen wurde. An den Handel richtete er die Forderung, Spreewälder Gurken nicht nur als Premiumprodukt zu hohen Verkaufspreisen zu vermarkten, sondern den Gurkenerzeugern auch einen entsprechenden Einstandspreis zu zahlen.