Jetzt blüht der Öllein im Spreewald zartblau

Auf 167 Hektar wächst in diesem Jahr im Spreewald Öllein, fast 1/3 davon in Bio-Qualität.

Sellendorf, 17.06.2016. Seit Hunderten von Jahren wird im Spreewald Flachs angebaut und zu unterschiedlichen Produkten verarbeitet. Das wohl bekannteste unter ihnen ist frisch gepresstes Spreewälder Leinöl. Auf 167 Hektar Ackerfläche wächst in diesem Jahr im Spreewald Öllein, davon auf ca. 50 Hektar in Bio-Qualität. Die warme und niederschlagarme Witterung hat vor einigen Tagen zu einer verfrühten Notblüte auf den Leinanbauflächen geführt.

Diese uralte Kulturpflanze ist seit tausenden Jahren Begleiter der Menschheit. Schon Sumerer, Ägypter und Griechen legten Felder an, auf denen diese Pflanze wuchs. Auch vier Spreewälder Landwirte verhelfen dem Lein zu seiner Renaissance. So verwandeln sich an mehreren Standorten im Unterspreewald sowie bei Eichow alljährlich im Frühsommer mehr und mehr Flächen in Meere aus zartblauen Blüten.

Heute trafen sich Anbauer und Verarbeiter des Ölleins erstmals zu einer medial begleiteten, offiziellen Saisoneröffnung während der Blütezeit auf den Feldern des größten Anbaubetriebes der Region, dem Landgut Sellendorf.

Lein hat eine relativ kurze Vegetationszeit. In der Regel vergehen nur 120 – 125 Tage zwischen Aussaat und Ernte. Erfahrene Landwirte sehen auf den ersten Blick, ob der Lein reif ist: die Blüten sind verschwunden; die Pflanze beginnt, sich braun und gelb zu verfärben. Schüttelt man die Leinkapsel, kann man darin die Samen leise rascheln hören. Mit modernen Messmethoden prüft der Landwirt den Feuchtigkeitsgehalt der Samen. Liegt dieser unter 9 Prozent, kann die Ernte beginnen.

Nach dem Mähen werden die Samen durch Dreschen aus den Kapseln geholt. Teile anderer Pflanzen müssen aussortiert werden. Dies geschieht in Vetschau/Spreewald, wo die Spreewald-Mühle einen Reinheitsgrad von 99,9 % erreicht. Sind die Leinsamen gereinigt, machen sie sich auf den Weg zu den Ölmühlen, die das Spreewälder Leinöl pressen.

Spreewälder Leinöl ist keine Massenware

Doch auch wenn die Anbauflächen größer werden, ist Spreewälder Leinöl keine Massenware. Denn der Ertrag liegt bei lediglich 1 – 1,5 Tonnen pro Hektar. In jeder Flasche befindet sich also ein kleiner Schatz aus dem Spreewald. Auch aus diesem Grund bezeichnen die Bewohner der Region ihr Leinöl auch als „blaues Gold“.

Über Generationen wurde das Wissen um die richtige, schonende Verarbeitung der Samen weitergegeben. Auch die Industrialisierung hatte keinen Einfluss auf die Bedeutsamkeit der Ölmühlen. Zwar zogen vielerorts mechanische Pressen in die Mühlen ein, doch das Handwerk war weiterhin unabdingbar.

Das Spreewälder Leinöl wird traditionell in zwei unterschiedlichen Verfahren gewonnen: Entweder mit einer Schneckenpresse oder mit einer Stempelpresse. In beiden Fällen werden die Samen nach vorherigem Aufbrechen unter hohem Druck zusammengepresst. Durch diese schonende, rein mechanische Behandlung bleiben die wichtigen Inhaltsstoffe, vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, erhalten.

Weitere Informationen unter http://gutes-spreewald.de/gutes-aus-dem-spreewald/leinoel